KassenSichV: Magicline wird Mitglied der IGZTK

Interview mit dem Sprecher der IGZTK Frank Schlesinger

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Die Magicline ist der “Interessengemeinschaft Zukunftsweisende Technologiehersteller für Kassensysteme” (IGZTK) beigetreten. Darüber hinaus haben wir ein Interview mit dem Sprecher, Frank Schlesinger, geführt.

Hintergrund: Die Kassensicherungsverordnung

Die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) ist längst in aller Munde und als Anbieter einer Cloud-basierten Kasse stehen wir vor der Herausforderung, unsere Magicline entsprechend abzusichern.

Uns ist es sehr wichtig, dass wir ein Kassensystem zur Verfügung stellen, mit welchem unsere Kunden mühelos arbeiten können und keine Schwierigkeiten bei Prüfungen oder mit dem Finanzamt entstehen. Da die Magicline-Software per se eine Cloud-Lösung ist, liegt es für uns auf der Hand, dass wir auch eine Cloud-Sicherung der Kasse anbieten. Dies erreichen wir mit dem Einsatz einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE).

KassenSichV deckt nicht den aktuellen Markt ab

Doch wie so oft schreitet die Technologie schneller voran und der Gesetzgeber muss hinterher. Cloudbasierte Kassen sind aktuell noch nicht zu 100% zertifiziert und Meldefristen können nicht eingehalten bzw. müssen per Antrag verlängert werden. 

Die Folge: Es entsteht Verwirrung bei Kunden und Ämter arbeiten letztendlich auch nur gesetzeskonform. Aber genau das ist das Problem: Die KassenSichV deckt nicht den aktuellen Markt ab und und bis zu 100.000 moderne und manipulationssichere Kassensysteme arbeiten demnach nicht nach den Vorgaben der Finanzämter.

Dies führte dazu, dass eine Interessengemeinschaft aus Kassenherstellern und -anbietern moderner Cloud-basierter Kassen entstand, die als eine Einheit den Dialog mit den Behörden suchte. Dieser Verbund heißt “Interessengemeinschaft Zukunftsweisende Technologiehersteller für Kassensysteme” (IGZTK), zu der nun auch die Magicline dazugehört.

Interview mit Frank Schlesinger von der IGZTK

Der Sprecher der IGZTK heißt Frank Schlesinger und er ist gleichzeitig Technischer Direktor des Kassenherstellers orderbird AG – Europas Marktführer für iPad-Kassensysteme für die Gastronomie.

Wir hatten Gelegenheit mit Frank ein kurzes Interview zu führen. Dabei erzählt er uns, wie es dazu kam, dass sich die IGZTK gegründet hat und wie die aktuelle Situation bei modernen Kassensystemen in Zusammenhang mit der gegenwärtigen Gesetzeslage aussieht.

Hallo Frank,

du bist Technischer Direktor des Kassenherstellers orderbird AG. Sicherlich haben einige unsere Leserinnen und Leser mit eurem System ihre Zahlungen in Gastronomien getätigt – viele kennen euch also bereits.

Du bist aber auch Sprecher der Interessengemeinschaft Zukunftsweisende Technologiehersteller für Kassensysteme (IGZTK), zu der wir uns auch dazuzählen dürfen. Diesen Verbund kennt man dagegen weniger. Kannst du uns kurz erzählen, warum es zu dieser Gründung kam und was die IGZTK macht?

„Ja, total gerne. Die IGZTK wurde im Jahr 2019 gegründet und als Anstoß diente damals die Kassensicherungsverordnung, die uns als Kassenhersteller natürlich direkt betraf und wir da mehr als genau hinschauen müssen. Und als wir das getan haben, waren wir ein wenig überrascht. Das Gesetz passte nicht zur Realität.

Der Markt war 2019 und heute noch mehr ein ganz anderer als vom Gesetzgeber vermutet. Während der Gesetzgeber mit der damaligen Kassensicherungsverordnung hauptsächlich stationäre Hardware im Blick hatte, die z.B. an einen PC vor Ort installiert werden musste, gab es 2019 längst unzählige Nutzer und Kunden mit Cloud-basierten Lösungen. 

Im modernen Gastronomie- und Hotelgewerbe kommen heutzutage beispielsweise iPads oder einfach nur ein Internetbrowser zum Einsatz. Wir benötigen keine stationäre Kasse mit Speichermedien. Die Daten aus der Kasse werden stattdessen in Rechenzentren gespeichert, die sehr hohe IT-Sicherheitsanforderungen erfüllen. 

Und die Kassensicherung spricht im Wortlaut sogar vom ‚Speichermedien‘, ein Begriff, der so in unserem Technologieumfeld keinen Sinn mehr ergibt.

Die Fiskalisierung kam also mit großen Schritten auf Kassenhersteller zu, doch war die Ausgestaltung einfach nicht marktkonform. Deshalb haben wir uns mit weiteren Mitbewerbern zusammengetan und das Problem gemeinsam behandelt und die IGZTK gegründet.

Mittlerweile zählen wir 21 Mitglieder und diese bieten 100.000 Kassen in Deutschland an. Und wir freuen uns natürlich sehr, dass die Magicline Teil von uns ist.“

Wir freuen uns auch und auch wir erlebten Ähnliches. Für unsere Kunden ist das alles irgendwann nicht mehr zu verstehen. 

Bereits der Weg vor die Tore der Behörden ist bekanntlich lang, da durch zu kommen dürfte ja noch schwieriger sein. Aber ihr habt es geschafft. Wie ging es dann weiter?

„Das stimmt, im Schulterschluss mit vielen anderen Kassenanbietern haben wir es dennoch zu einem ersten Dialog geschafft.

Noch im Sommer 2019 haben wir uns an das Bundesfinanzministerium gewandt. Im Grunde wollten wir ja auch helfen: Denn dass die Fiskalisierung der Kassen vorangetrieben wurde, fanden wir grundsätzlich super. Allerdings nicht basierend auf alter Technologie. ‘Cloud’ und ‘Speichermedium’ beißen sich einfach. 

Wir haben in viele guten Gesprächen die Behörden über die Marktrealität und die technologische Vielfalt aufgeklärt. Es war dann schnell klar, dass durch weitere Erlasse und Ausgestaltung der technischen Anforderung auch die Zertifizierung von 100%igen Cloud-Lösungen möglich gemacht werden muss.

„Wir benötigen keine stationäre Kasse mit Speichermedien“

Frank Schlesinger, IGZTK

In der Folge sind wir auf den Infoverteiler der Behörden gelandet, was schon einmal sehr wichtig war, da wir nun die neuesten Entwicklungen gleich mitbekommen. Und im Dialog mit dem Finanzministerium oder dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden die von uns aufgeführten Schwierigkeiten auch gesehen. 

Allerdings wissen wir nicht, wie es hinter den Kulissen ausschaut, da Ämter in der Regel wenig transparent sind. Wir versuchten aber alle beteiligten Institutionen von der Dringlichkeit der Gesetzesanpassung zu überzeugen.

Um mal ein Beispiel zu geben: Die Gespräche mit dem BSI sind immer gut. Die Prozesse sind aber nicht immer so transparent, wie wir es uns wünschen. Das BSI ist ja eine Behörde und hat seine eigene Art und Weise, an die Dinge heran zu gehen. 

Aber das BSI entscheidet auch nicht politisch, sondern der Gesetzgeber. Ich sag’s mal so: Es scheint kein übergeordnetes Projektmanagement für die Fiskalisierung zu geben.“

Klingt nach einem sehr langwierigen Unterfangen. Wie würdest du den aktuellen Stand beim Thema “Kassensicherung” bezeichnen und wie gehen eure Kunden damit um?

„Ich würde vorsichtig behaupten, dass im Moment zunächst einmal alles gut ist, auch wenn bei einigen die Nerven blank liegen. Aber es ist doch so: Die von vielen unserer Verbandsmitglieder eingesetzte Cloud-TSE von fiskaly wird demnächst abschließend zertifiziert. Das ist sicher. fiskaly hat hier eine super Lösung entwickelt und wenn der Stempel drauf ist, ist erstmal Ruhe im Markt.

(UPDATE VOM 19. Mai: fiskaly wurde mittlerweile abschließend zertifiziert)

Doch für uns war alles rund um die Kassensicherungsverordnung mit einem großen Aufwand verbunden. Beispielsweise haben Kassenhersteller wie unsere Verbandsmitglieder die ganze Marktaufklärung zur Fiskalisierung gestemmt. Und am Ende mussten wir unseren Kunden empfehlen, den Antrag zur Fristverlängerung nach Paragraph 148 AO zu stellen.

Wir haben Muster und Hilfen verfasst und im Grunde wichtige Aufklärungsarbeit geleistet. Der Kunde ist der Steuerpflichtige – doch genau wie bei euch wollten wir unsere Kunden nicht im Stich lassen. Also sind wir bei dem Thema so hinterher.

Die Folge: 99% der Verlängerungsanträge wurden akzeptiert Dort, wo es zu einer Ablehnung des Antrags kam, fassen wir nach, telefonieren mit den Finanzämtern und können in der Regel alles aufklären.

Es gab dennoch Fälle, bei denen standortübergreifend das eine Bundesland zugestimmt hatte, das andere nicht. Es gab unterschiedliche Begründungen und es ist einfach alles mühsam und für niemanden wertvoll.“

Du sagtest, fiskaly hätte eine super Lösung gefunden. Hattest du auch andere Anbieter im Gespräch?

„Absolut, ich habe mit allen TSE-Anbietern persönlich Kontakt. Für uns super ärgerlich ist der Umstand, dass keiner iOS- oder Android-Betriebssysteme unterstützen wollte. Außer fiskaly, die hier – wie bereits gesagt – insgesamt die bislang beste Lösung für uns anbieten.

Grundsätzlich ist es so, dass es immer noch viel zu wenige TSE-Anbieter auf dem Markt gibt. Ich hatte eigentlich vermutet, dass gerade durch dieses Gesetz es zu einem kleinen Boom bei TSE-Anbietern kommen würde – kam es aber nicht.“

Wie stehst du zu sogenannten “offenen Ladenkassen”? Damit arbeiten auch nach wie vor einige.

„Ja, das Thema kennen wir auch. Einige flüchten weiterhin in offene Ladenkassen. Dort wird dann ein Kaffee für 5 Euro in Bar gekauft, die dann später vielleicht wieder raus genommen werden usw. Dann kann ein anderer Kunde kommen und einen Beleg anfordern, um ihn ggf. dann doch als Bewirtungsbeleg bei der Steuer anzumelden. 

Das Problem dabei ist, dass die Buchhaltung und Kassenführung einer solchen Kasse händisch erfolgen müssen. Ganz ehrlich: Das will doch keiner, und sollte heute auch keiner wollen. 

Ein zweiter Punkt: Das Finanzministerium weiß um diese Kassen gut Bescheid, doch die gesetzlichen Anforderungen sind noch nicht so weit, was aber kommen kann. Aber genau dafür haben wir ja unsere modernen Kassen, damit das Manuelle keiner mehr machen muss.

Mein Appell an alle: Stellt um!“

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Vom Einsatz „Offener Ladenkassen“ raten wir dringend ab

Und was glaubst du kommt noch in Zukunft alles auf uns zu?

„Die IGZTK sucht weiterhin den Dialog, das muss einfach sein. Fiskalisierung wird uns noch über die nächsten Jahre beschäftigen, denn noch nicht einmal das Wort “Kasse” ist bisher im Gesetz klar definiert. 

In den nächsten Monaten werden die Systeme geprüft und einige für gut, andere für schlecht befunden. Ich gehe davon aus, dass gerichtliche Auseinandersetzungen folgen werden. Muster- und Sammelklagen könnten kommen.

In Zukunft wird es immer weiter gehen: Bald brauchen sicher auch Taxis eine TSE. Oder ein QR-Code kann auf den Bon gedruckt werden, um ihn einfacher prüfbar zu machen. Und wenn das alles vorbei ist, gibt es sicher bald Prüfsoftware oder Schnittstellen zu Finanzbehörden, die in Zukunft angebunden werden könnten.“

Eine letzte Frage: Hast du einen weiteren Appell, den du an unsere Kunden richten möchtest?

„Ja, den habe ich. Fitnessstudiobetreiber wollen doch im Grunde auch das, was alle wollen, sich um ihr Geschäft und ihre Mitglieder kümmern. Steuern und Fiskalisierung sollten nicht zu ihren Problemen werden und die Kraft sollte in Themen fließen, die cool sind und mit denen sie ihre Mitglieder begeistern.

Schaut doch einfach, dass unschöne Dinge wie beispielsweise die Steuer-Compliance nicht zu etwas wird, womit man sich monatelang beschäftigt.“

Lieber Frank, wir danken dir für das tolle Gespräch und die vielen Infos rund um die Kassensicherung.

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